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Das Nibelungenspiel

Ein Stück in Spiel

Spielstück für 5 Schausteller (2F 3M) und 1 Autor

 

In einer städtischen Theatersituation werden fünf Schausteller und ein Autor beauftragt, den Nibelungenstoff neu zu bearbeiten. So entsteht in absoluter Fehl- und Unterbesetzung ein Stück in Spiel aus den nibelungischen Materialmassen, diesem Fundus an Motiven, Figuren und Geschichten, aus dem die Spielenden ihr Wissen schöpfen, mittels dessen sie gegen- und miteinander um einen sinnstiftenden Platz im Textgebilde kämpfen. Der verfügbare Nutzwort- und Formelschatz, nicht zuletzt dank seiner Autoren- und Originallosigkeit unendlich kopierbar, wird damit im Nibelungenspiel zum eigentlichen Hort der Handlungsmöglichkeiten.

 

Zum Handlungsknotenpunkt mausert sich dabei der Königinnenstreit zwischen Brunichild und Florimunde. Ausgerechnet vorm Wormser Dom kippt die Geschichte der einen um in die der anderen, so dass sich die gegenläufigen Entwicklungen der beiden weiblichen Figuren - Zähmung versus Emanzipation - axial dazu erzählen. Letztlich können beide Frauen keinen Platz für ihre Identität finden. Und die dadurch entstandene Frustration überträgt sich exponentiell auf die Nibelungen: Die anfängliche Lüge bauscht sich auf wie ein rollender Schneeball und führt schließlich unweigerlich zum Untergang aller.